[Rezension] Zoran Drvenkar - Still

5/30/2016

Einband: Taschenbuch 
Seitenanzahl: 416
Preis: 9,99€ Kaufen?
Genre: Thriller
Reihe: Einzelband
Erscheinungsdatum: 8. März 2016
Verlag: Heyne 

            
Das Cover passt unglaublich gut zum Inhalt und auch zum Titel. Es ist ruhig, gleichzeitig wirkt es durch die Farbgebung sehr düster und einfach sehr stimmig. Das Bild eines schneeverwehten Häuschens passt perfekt zum Inhalt. Mir gefällt's richtig gut!
 Hass ist, was bleibt, wenn dir alles andere genommen wurde

Wenn es Winter wird und Schnee und Eis alle Spuren verwischen, erwacht in den einsamen Wäldern Brandenburgs das Böse. Über Nacht verschwinden auf mysteriöse Weise Kinder. Nur ein einziges Mädchen taucht unerwartet und verstört wieder auf, ihre Lippen sind seitdem verschlossen. Ein verzweifelter Vater beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln. Doch damit dreht sich die Spirale des Bösen nur noch schneller.

Auf dieses Buch bin ich durch eine YouTuberin gestoßen, die einen grandiosen, sogar den besten Thriller überhaupt, versprach. Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen und sogar auf einen anfangs gewöhnungsbedürftigen Schreibstil stellte ich mich ein. Ich bekam genau das, was mir versprochen wurde und mehr, ein Meisterwerk!

Ich möchte nicht auf den Inhalt eingehen, da ich finde, dass man dieses Buch ganz jungfräulich entdecken sollte, denn auch der Klappentext hält sich hier enorm zurück und verrät außer den groben Zügen, nichts über den Inhalt und genau das sollte so bleiben. 
Ich kann aber sagen, dass mir persönlich die Thematik bzw. die unterschiedlichen Thematiken in diesem Roman äußerst gut gefallen, ich sie sehr interessant fand und diese so auch nicht erwartet hätte. 
Die geschaffene Atmosphäre passt ungemein zum Inhalt. Sie ist düster und beklemmend, gleichzeitig ist sie erschreckend und lässt einen schwitzen vor Unsicherheit, vor Respekt, teilweise vor Angst und immer unterschwellig ist das Angespannte und das Ungewisse, welches. Kurz gesagt: Die Atmosphäre ist abgrundtief hammer und unglaublich gut ausgearbeitet.

Die Geschichte ist in 3 unterschiedliche Erzählperspektiven gespalten, einmal „Sie“, „Du“ & „Ich“. Für mich war dies das erste mal, dass ich als Leser persönlich, also mit „Du“, angesprochen wurde. Auch wenn man am Anfang keinen Ahnung hat, wer dieses „Du“ ist, wird man in die Rolle eines Opfers gedrängt, aus der man bis zur letzten Seite nicht  mehr entfliehen kann, man ist also hautnah dabei. Wer „Sie“ sind, bleibt übrigens ebenfalls unklar. 
Gerade dieses überschneiden der Perspektiven, die die Geschichte sinnvoll voran gebracht haben und eine grandiose Abwechslung darboten, haben mir unglaublich gut gefallen, denn ich, als ahnungsloser Leser, wurde immer wieder durch diese Erzählweise auf's neue verwirrt und habe mir den Kopf zerbrochen, wer denn nun „Du“ & „Sie“ seien, obwohl ich mir so sicher war, sie endlich entlarvt zu haben. 

Mindestens genauso umwerfend ist Zoran Drvenkar's Schreibstil. Ja, am Anfang muss man sich kurz dran gewöhnen, aber anschließen wird man von ihm erfasst wie ein Adler der seine Krallen ihn die Haut einer Maus schlägt und sie bis zum bitteren Ende nicht mehr loslässt. Und genau dieses fesselnde ist essenziell für einen wirklich guten Thriller!
Außerdem kann dieser Mann mit Worten umgehen, dagegen sind andere Autoren ein Witz. Der Schreibstil, also die Formulieren, die Art & Weise, wie die Worte gewählt werden, die Länge der Sätze, war perfekt passend, teilweise sogar poetisch und hat mir ein unglaublich gutes Gefühl beim Lesen gegeben.

Die Geschichte mag zwar gerade die ersten 200 Seiten aus wenig bis gar keiner Action und blutigen Gewaltszenen bestehen, aber dennoch ist die Handlung und das Geschehen so fesselnd, mitreißend, verwirrend und einvernehmend, dass mir auf keiner einzigen Seite langweilig war. Ich bin durch's Buch geflogen wie Aladin auf seinem fliegenden Teppich.
Auch, wenn ich an manchen Stellen schon das ein oder andere geahnt habe, so war ich mir nie vollkommen sicher, da mich Zoran Drvenkar gekonnt ausgespielt hat, indem er mich immer weiter durch die simple und einfache Schilderung einer Tatsache in menschliche Abgründe führte, bei denen ich vor Entsetzten am liebsten das Buch zugeklappt hätte. Und glaubt mir, meine Fassungslosigkeit war in meiner Mimik deutlich zu erkennen und mich wirft so schnell nichts aus der Bahn.

 Alle in allem war dieses Buch genau wie prophezeit: ein Meisterwerk seines Genres. Ohne unnötige Action, Gewalt oder schlechte, vorhersehbare Twists, fesselt dieses Buch seinen Leser auf jeder einzelnen Seite und lässt ihn verwirrt zurück, während er immer weiter in die menschlichen Abgründe geführt wird, um ihn dann mit einem unglaublich intensiven Gefühl einer paradoxen Melancholie zurückzulassen. 
Ich bedanke mich ganz herzlich beim Verlag für die Zusendung dieses Rezensionsexemplares.

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