[Rezension] Anne Freytag - Mein bester letzter Sommer

5/16/2016

Einband: Gebundene Ausgabe
Seitenanzahl: 368 Seiten
Preis: 14,99€
Genre: Roman
Reihe: Einzelband
Erscheinungsdatum: 8. März 2016
Verlag: Heyne fliegt 

                 
Das Cover ist so schön. Ich mag nicht nur das Material, aus dem es gemacht ist, weil es sich echt gut in den Händen anfühlt (ich würde es mal wie diese Papp-Cover beschreiben), sondern auch die Abbildung, denn sie passt einfach so so toll zu dem Inhalt und dazu diese schönen, sanften Farben .. Ganz große Klasse! 



Wann du die große Liebe triffst, kannst du dir nicht aussuchen
Tessa hat immer gewartet – auf den perfekten Moment, den perfekten Jungen, den perfekten Kuss. Weil sie dachte, dass sie noch Zeit hat. Doch dann erfährt das 17-jährige Mädchen, dass es bald sterben muss. Tessa ist fassungslos, wütend, verzweifelt – bis sie Oskar trifft. Einen Jungen, der hinter ihre Fassade zu blicken vermag, der keine Angst vor ihrem Geheimnis hat, der ihr immer zur Seite steht. Er überrascht sie mit einem großartigen Plan. Und schafft es so, Tessa einen perfekten Sommer zu schenken. Einen Sommer, in dem Zeit keine Rolle spielt und Gefühle alles sind …

Ich wusste nicht ganz genau, worum es in diesem Buch gehen wird. Aber ich wusste, dass Tessa todkrank ist und sterben wird, vermutlich sogar im Roman. Außerdem wusste ich, dass dieses Buch sehr emotional sein sollte. Und das war es. Aber so richtig!

Der Gedanke hinter dem Buch ist bestimmt nicht der aller Neuste, aber bei so vielen Büchern, Filmen und Serien, ist es schwer, etwas komplett ungenutzten zu finden. 
Dennoch gefiel mir die Idee, dass Tessa, die eigentlich so gut wie abgeschlossen hatte, ihr Leben für einen kurzen Moment in ihre eigenen Hände nimmt & lebt. Ein letztes Mal. Und ich fühle mich hier doch bestätigt, dass es bei einem Buch nicht auf den Grundgedanken ankommt, sondern auf die Umsetzung, auf die Details. Und beides ist in diesem Roman bravourös gelungen!

Zuallererst muss ich meinen einzigen negativen Punkt zu diesem Buch anbringen und dieser ist Tessas Verhalten zum Anfang des Buches. Sie ist ihrer Familie gegenüber, allen voran ihrer Mutter, eine kleine Bestie. Sie ist unglaublich gemein und trotzig. Man kann sich so verhalten, aber doch nicht wenn man stirbt, wenn jeder Moment der letzte sein könnte. Ich habe versucht ihr Verhalten nachzuvollziehen und es zu verstehen, irgendwo kann ich das, aber ich schaffe es nicht dieses Verhalten zu akzeptieren. Außerdem hat sie auch nicht versucht zu verstehen, warum ihre Mutter so gehandelt hat und das fand ich eben sehr schade. 
Von diesem Aspekt aber mal abgesehen, habe ich jede einzelne Seite dieses Buches geliebt. Mein bester letzter Sommer löst unglaublich viele Gefühle und Gedanken aus. Zu Beginn, aber auch während des gesamten Buches, stimmt es den Leser sehr nachdenklich. Dann stimmt es den Leser in eine komische Stimmung, weil es einfach so unfair ist. Man fragt sich, warum gerade Tessa sterben muss? Und dann ist da die Hoffnung, die Hoffnung, dass Tessa doch irgendwie leben könnte. Und zwischen all diesen Gefühlen, muss man ständig über die lustigen Szenen und den Humor lachen, schmunzeln, weil es so süß zwischen Tessa & Oskar ist, danach zerbricht man an einzelnen Szenen emotional, weil sie so wehmütig machen, einen traurig stimmen, obwohl sie so schön sind, einen traurig stimmen, weil sie so intensiv sind und so echt sind, so unglaublich herzzerreißend. Und anschließend lacht man wieder und danach denkt man nach, man schließt seine Augen und denkt nach. Und dann lacht man wieder. Und so geht es weiter. Man zerbricht und lacht, denkt nach, zerbricht und lacht. Bei diesem Buch ist man emotional komplett dabei, das kann ich versprechen!
Wirklich viel zum Inhalt möchte ich gar nicht sagen, denn ich finde, jeder sollte diese Geschichte auf seine ganz eigene Art & Weise entdecken, sie ganz individuell lieben lernen. Denn das wird man, beispielsweise durch die gesamten Details und die einzelnen Szenen. Die Briefe, die Geschichten aus der Vergangenheit, der Road-Trip, die Szene mit dem Einkaufswagen, der Aufsatz, der Sprung in den Pool, die Musik, zu der es sogar eine Playlist auf Spotify gibt, die Szene beim Essen mit dem Brötchen und die Witze die daraus entstehen, der Plüschhase, der wohl den erschütterndsten Moment meinerseits im Buch hervorgerufen hat, das Ende. Alles ist so schön beschrieben, so stimmig, passend, einfach richtig und gleichzeitig so tragisch und herzzerreißend. 

Grund dafür ist ganz klar Anne Freytags Schreibstil. Die Autorin weiß absolut, wie sie mit Worten umgehen muss und wie sie ihnen die richtige Macht gibt, um den Leser emotional zusammenbrechen zu lassen. Der Schreibstil passt sich teilweise sogar der Situation an, wird abgehackter und dann wieder verschachtelter. 
Ich konnte mir die Situationen sehr gut in meinem Kopf vorstellen, wie ein kleiner Film liefen sie ab. Und alles ist einfach so schön beschrieben und so schön formuliert. Ihr seht es ja durch die ganzen Post-it's. 
Besonders gut hat mir aber die humorvolle Schreibweise und das verwenden von Begriffen, die mit dem Tot zu tun hatten, gefallen. Ich weiß nicht genau, wie ich das beschreiben soll, aber ihr werdet es verstehen, sobald ihr es gelesen habt. 

Tessa ist für mich ein sehr sympathischer Charakter und das sage ich nicht, nur weil ich Mitleid habe. Ich konnte mich einfach erschreckend oft mir ihr und ihrer Denkweise Identifizierenen und das sage ich obwohl ich dem anderen Geschlecht angehöre. Bis auf die Sache mit ihrer Mutter, ist Tessa einfach ein so unglaublich toller Mensch, den man gerne auf seinem letzten Abenteuer begleitet.  
Oskar ist ein unglaublich positiver und lebensfroher, liebenswürdiger Charakter. Sein Herz ist aus Gold und er ist einfach ein herzensguter Mensch. Was er für Tessa getan hat, ist ihm wirklich hoch anzurechnen und verdient meinen tiefsten Respekt. 
Beide Charaktere sind in ihrer gemeinsamen Zeit gewachsen und haben nicht nur an Tiefe gewonnen, sondern auch das Herz des jeweils anderen. Meisterhafte Arbeit seitens der Autorin! 

Ich habe mit Freuden Teskars Geschichte verfolgt, mit ihnen gelacht, geweint, gehofft, gebangt, Spaß gehabt und gelebt. Die Geschichte von Tessa und ihrem Oskar ist zwar nicht absolut neu, doch durch die treffenden Details und den wahnsinnig tollen Schreibstil wird sie zu etwas ganz Besonderem, dass ich sofort allen empfehlen würde, die eine  schöne und gleichzeitig tragische Geschichte suchen, ein Buch für den Sommer, einen schnellen Read oder einfach überhaupt irgendwas zu lesen, denn diese Geschichte sollte gelesen werden!
Einzig und allein Tessas Verhalten am Anfang des Buches kostet ihm einen halben Stern, sonst habe ich nichts auszusetzen. 

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